Nach dem Schlaganfall wieder zu Hause – Orientierung für Angehörige
Wenn Mutter, Vater oder Partner nach einem Schlaganfall aus dem Krankenhaus oder der Reha nach Hause kommt, beginnt für die Familie oft eine neue Phase. Viele alltägliche Dinge funktionieren plötzlich anders: Aufstehen, Gehen, Sprechen, Essen oder Körperpflege können mehr Zeit und Unterstützung benötigen.
Was vor der Rückkehr nach Hause geklärt sein sollte
Vor der Entlassung aus dem Krankenhaus oder der Rehabilitation sollten wichtige Punkte abgeklärt sein:
? Wie mobil ist die Person?
? Welche Hilfsmittel werden benötigt?
? Welche Therapien laufen weiter?
? Braucht es Unterstützung bei Körperpflege?
? Gibt es Schluck- oder Sprachprobleme?
? Welche Medikamente sind einzunehmen?
Die ersten Tage zu Hause sind oft anstrengender als erwartet
Die vertraute Wohnung fühlt sich nach einem Schlaganfall oft anders an. Wege sind länger, Möbel können plötzlich zum Hindernis werden und bekannte Abläufe brauchen mehr Zeit.
Für Angehörige hilfreich:
- ✓ Termine nicht zu dicht planen
- ✓ ausreichend Pausen einbauen
- ✓ Tagesabläufe vereinfachen
- ✓ nicht alles gleichzeitig ändern
Wenn Aufstehen und Gehen schwieriger werden
Nach einem Schlaganfall können Bewegungen auf einer Körperseite deutlich eingeschränkt sein. Das erschwert viele alltägliche Handgriffe.
• vom Bett aufstehen
• vom Sessel aufstehen
• zur Toilette gehen
• Treppen steigen
• Unsicherheit beim Drehen
• einseitige Schwäche
Für Angehörige wichtig:
- ✓ Stolperfallen reduzieren
- ✓ Hilfsmittel verwenden, wenn fachlich empfohlen
- ✓ ausreichend Zeit lassen
- ✓ Veränderungen beobachten
Die schwächere Körperseite nicht einfach ignorieren
Nach einem Schlaganfall kann eine Körperseite deutlich schwächer oder weniger gut wahrgenommen werden. Das erschwert viele Alltagsaufgaben.
Wie die betroffene Seite im Alltag gefördert und unterstützt werden soll, sollte mit Physiotherapie oder Ergotherapie abgestimmt werden. Angehörige sollten keine eigenen therapeutischen Übungen durchführen.
Wenn Sprechen oder Verstehen schwieriger geworden ist
Eine Aphasie (Sprachstörung) kann nach einem Schlaganfall auftreten. Das macht die Verständigung schwieriger – für den Betroffenen und seine Angehörigen.
Was Angehörige tun können:
- ✓ ruhig und deutlich sprechen
- ✓ kurze Sätze verwenden
- ✓ Zeit zum Antworten lassen
- ✓ nicht für die Person sprechen
- ✓ Gestik oder Schreiben nutzen, wenn hilfreich
- ✓ Blickkontakt halten
Sprachtherapie gehört zur Logopädie. Angehörige sollten keine Therapieübungen selbst durchführen.
Wenn Essen und Trinken Probleme machen
Nach einem Schlaganfall können Schluckstörungen auftreten. Häufiges Husten, Verschlucken oder Probleme beim Essen sollten ernst genommen werden.
Wichtig:
- • Schluckstörungen fachlich/logopädisch abklären lassen
- • keine eigenen Schlucktechniken ausprobieren
- • keine Konsistenzempfehlungen ohne Fachvorgabe geben
- • keine Ernährungstherapie selbst durchführen
Wenn Konzentration und Planung schwerer fallen
Auch Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Handlungsplanung können nach einem Schlaganfall beeinträchtigt sein.
Für Angehörige sinnvoll:
- ✓ einen Schritt nach dem anderen
- ✓ Termine notieren
- ✓ einfache Abläufe bevorzugen
- ✓ nicht mehrere Aufgaben gleichzeitig verlangen
- ✓ ausreichend Pausen ermöglichen
Helfen, ohne zu viel abzunehmen
Nach einem Schlaganfall braucht vieles länger. Trotzdem sollte möglichst viel Selbstständigkeit erhalten bleiben.
SELBST MACHEN
Das, was sicher gelingt.
UNTERSTÜTZEN
Wenn einzelne Schritte schwerfallen.
ÜBERNEHMEN
Wenn Sicherheit oder Fähigkeit nicht ausreichen.
Rehabilitation geht auch nach der Entlassung weiter
Je nach Einschränkungen können wichtig sein:
• Physiotherapie
• Ergotherapie
• Logopädie
• Neuropsychologie
• weitere ärztlich verordnete Maßnahmen
Die Behandlung wird individuell geplant. Angehörige sollten Übungen nicht eigenständig verändern oder ersetzen.
Welche Hilfsmittel den Alltag erleichtern können
Je nach Einschränkungen können verschiedene Hilfsmittel hilfreich sein:
✓ Rollator
✓ Rollstuhl
✓ Haltegriffe
✓ Toilettenhilfen
✓ Pflegebett
✓ andere therapeutisch empfohlene Hilfsmittel
Welche Hilfsmittel sinnvoll sind, sollte individuell mit den zuständigen Fachpersonen abgestimmt werden.
Wenn Angehörige plötzlich fast alles organisieren
Vielleicht helfen Sie Ihrem Vater morgens beim Aufstehen, begleiten Ihre Mutter zur Therapie oder unterstützen Ihren Partner bei Essen und Körperpflege.
Typische Belastungen:
- • viele Termine
- • tägliche Fahrten
- • Unterstützung bei Körperpflege
- • Haushalt organisieren
- • Sorge vor Stürzen
- • kaum eigene Zeit
Entlastung sollte frühzeitig organisiert werden – nicht als Zeichen von Versagen, sondern als Chance für Langfristigkeit.
Wann gelegentliche Unterstützung nicht mehr reicht
Diese Fragen können helfen zu erkennen, ob mehr Unterstützung notwendig wird:
Wenn mehrere Bereiche dauerhaft Unterstützung benötigen, kann regelmäßige Betreuung sinnvoll werden.
Bei neuen Schlaganfall-Zeichen zählt jede Minute
Neue oder plötzlich auftretende Symptome sind ein medizinischer Notfall:
- • einseitige Lähmung
- • Sprachstörung
- • Gesichtslähmung
- • schwere Sehstörung
- • andere akute neurologische Ausfälle
In Österreich sofort anrufen:
Rettung 144
(112 ist ebenfalls möglich)
Keine Abwarte-Empfehlung. Jede Minute zählt bei einem Schlaganfall.
Benötigt Ihr Angehöriger nach dem Schlaganfall regelmäßig Betreuung?
Auf unserer Betreuungsseite erklären wir, wie 24-Stunden-Betreuung nach einem Schlaganfall in Wien organisiert werden kann.
Zur Schlaganfall-Betreuung in Wien →Häufige Fragen
Was braucht mein Vater nach einem Schlaganfall zu Hause?›
Das hängt davon ab, wie mobil und selbstständig er nach Krankenhaus oder Reha ist. Wichtig sind insbesondere Mobilität, Körperpflege, Essen, Kommunikation und die weiterführende Therapie.
Soll ich meiner Mutter nach dem Schlaganfall möglichst viel abnehmen?›
Nicht automatisch. Tätigkeiten, die sicher selbst möglich sind, sollten möglichst erhalten bleiben. Unterstützung ist dort sinnvoll, wo Fähigkeit oder Sicherheit nicht ausreichen.
Wie spreche ich mit jemandem, der nach einem Schlaganfall Sprachprobleme hat?›
Sprechen Sie ruhig und in kurzen Sätzen, lassen Sie ausreichend Zeit und vermeiden Sie es, Sätze ständig für die Person zu beenden. Eine Sprachstörung sollte logopädisch begleitet werden.
Was ist bei häufigem Verschlucken zu tun?›
Schluckprobleme sollten medizinisch beziehungsweise logopädisch abgeklärt werden. Angehörige sollten keine eigenen Schlucktherapien ausprobieren.
Wie lange dauert die Rehabilitation nach einem Schlaganfall?›
Das ist individuell sehr unterschiedlich. Art und Dauer der Rehabilitation richten sich nach den jeweiligen Einschränkungen und den vereinbarten Therapiezielen.
Wann ist zusätzliche Betreuung sinnvoll?›
Wenn Mobilität, Körperpflege oder Alltag täglich Unterstützung erfordern und Angehörige dauerhaft einspringen müssen, kann zusätzliche Betreuung sinnvoll sein.
