Krebs zu Hause – Orientierung für Angehörige
Wenn Mutter, Vater oder Partner wegen einer Krebserkrankung behandelt wird, verändert sich der Alltag oft von Woche zu Woche. An manchen Tagen gelingt vieles selbstständig, an anderen sind Erschöpfung, Übelkeit, Schmerzen oder Schwäche deutlich stärker. Angehörige müssen deshalb häufig flexibel unterstützen.
Warum sich der Unterstützungsbedarf ständig verändern kann
Krebserkrankung und Therapie können die Belastbarkeit deutlich beeinflussen. Gute und schwierigere Tage können sich abwechseln.
Für Angehörige:
- • Tagesform berücksichtigen
- • Termine nicht unnötig bündeln
- • ausreichend Ruhe ermöglichen
- • Unterstützung flexibel anpassen
Fatigue ist mehr als normale Müdigkeit
Tumorbedingte Fatigue kann zu starker körperlicher und geistiger Erschöpfung führen. Auch kleine Tätigkeiten können plötzlich sehr anstrengend sein.
Mögliche Auswirkungen:
- • Wenig Energie für alltägliche Aufgaben
- • Muskelschwäche
- • Konzentrationsprobleme
- • Reduzierte Belastbarkeit
- • Schlaf hilft nicht ausreichend
Für Angehörige:
- • Erschöpfung ernst nehmen
- • Tagesplanung vereinfachen
- • Tätigkeiten priorisieren
- • Selbstständigkeit erhalten, soweit möglich
Wichtig: Bei starker oder neuer Erschöpfung sollte dies mit dem behandelnden Team besprochen werden.
Wenn nach einer Therapiephase plötzlich mehr Hilfe nötig ist
Nach Chemo-, Strahlen- oder anderen Krebstherapien können Erschöpfung und andere Beschwerden stärker werden.
Für Angehörige:
- • Begleitung nach ambulanten Terminen organisieren
- • Ruhezeiten ermöglichen
- • Veränderungen beobachten
- • Nicht davon ausgehen, dass die Person sofort wieder voll belastbar ist
Wenn die Rückkehr aus dem Krankenhaus mehr Organisation braucht
Bei der Rückkehr nach Hause sollte klar sein, welche Unterstützung die Person tatsächlich braucht.
Wichtige Überlegungen:
- • Ist die Person mobil?
- • Braucht sie Hilfe beim Aufstehen?
- • Gelingt Körperpflege selbstständig?
- • Sind Mahlzeiten organisiert?
- • Stehen Kontrollen oder Therapietermine an?
- • Muss jemand regelmäßig vor Ort sein?
Die Versorgung zu Hause sollte sich am tatsächlichen aktuellen Bedarf orientieren.
Wenn Essen zunehmend schwierig wird
Krebserkrankung und Behandlung können Appetit, Geschmack oder Verträglichkeit beeinflussen.
Für Angehörige:
- • Kleine, gut verträgliche Mahlzeiten anbieten, wenn dies zur Situation passt
- • Wünsche respektieren
- • Keinen Druck aufbauen
- • Bei anhaltenden Problemen ärztliche oder ernährungsmedizinische Beratung erwähnen
Wichtig: Keine spezielle Krebsdiät selbst versuchen. Bei Mangelernährungsrisiko sollte ernährungsmedizinische Beratung hinzugezogen werden.
Wenn Übelkeit oder Erbrechen den Alltag bestimmen
Übelkeit und Erbrechen können im Zusammenhang mit Erkrankung oder Behandlung auftreten.
Für Angehörige:
- • Beschwerden beobachten
- • Vereinbarte medizinische Maßnahmen einhalten
- • Bei anhaltenden oder starken Beschwerden das behandelnde Team kontaktieren
Schmerzen sollten nicht einfach ausgehalten werden
Schmerzen können durch die Erkrankung oder ihre Behandlung entstehen und gehören fachlich abgeklärt und behandelt.
Veränderungen oder neu auftretende Schmerzen sollten dem behandelnden Team mitgeteilt werden.
Wenn sich der Allgemeinzustand plötzlich verschlechtert
Während bestimmter Krebstherapien kann die Infektanfälligkeit erhöht sein.
Medizinisch abklären bei:
- • Fieber
- • Starker Schwäche
- • Atemproblemen
- • Ausgeprägtem Erbrechen
- • Bewusstseinsveränderungen
- • Deutlicher akuter Verschlechterung
Wenn Kraft und Mobilität nachlassen
Längere Wege, Treppen, Aufstehen, Duschen, Einkaufen oder Arzttermine können schwieriger werden.
Für Angehörige:
- • Stolperfallen reduzieren
- • Unterstützung anbieten
- • Hilfsmittel fachlich abstimmen
- • Keine riskanten Transfers improvisieren
Helfen, ohne alles zu übernehmen
Auch bei einer Krebserkrankung sollte die betroffene Person möglichst selbst entscheiden, welche Hilfe sie möchte.
Gute Orientierung:
SELBST: Was sicher gelingt
UNTERSTÜTZEN: Wenn einzelne Schritte schwerfallen
ÜBERNEHMEN: Wenn Kraft oder Sicherheit nicht reichen
Wenn der Kalender plötzlich aus Behandlung besteht
Angehörige unterstützen häufig bei Arztterminen, Therapie-Terminen, Fahrten, Medikamentenorganisation, Einkäufen und Haushalt.
Auch organisatorische Hilfe kann erheblich entlasten.
Wenn die Familie ständig mitplant
Vielleicht fahren Sie Ihre Mutter mehrmals pro Woche zur Therapie, helfen Ihrem Vater beim Einkaufen oder übernehmen für Ihren Partner inzwischen fast den gesamten Haushalt.
Typische Belastungen:
- • Viele Fahrten
- • Medizinische Termine
- • Ständige Sorge
- • Schlafmangel
- • Haushalt
- • Beruf und Betreuung gleichzeitig
- • Kaum eigene Zeit
Entlastung darf früh organisiert werden.
Auch Angst und Unsicherheit gehören zum Alltag
Eine Krebsdiagnose kann Betroffene und Angehörige emotional stark belasten.
Unterstützung gibt es durch:
- • Psychoonkologische Beratung
- • Psychologische Unterstützung
- • Selbsthilfegruppen
- • Angehörigenberatung
Wann gelegentliche Hilfe nicht mehr reicht
Orientierungsfragen:
- • Braucht die Person täglich Unterstützung?
- • Ist Körperpflege schwieriger?
- • Sind Mahlzeiten nicht mehr selbst organisierbar?
- • Ist Mobilität deutlich eingeschränkt?
- • Müssen Angehörige täglich fahren oder helfen?
- • Gibt es regelmäßigen Nachtbedarf?
Wenn mehrere Bereiche dauerhaft Unterstützung benötigen, kann zusätzliche Betreuung sinnvoll sein.
Krebs bedeutet nicht automatisch Palliativversorgung
Viele Menschen werden mit dem Ziel der Heilung oder langfristigen Krankheitskontrolle behandelt. Palliativversorgung wird dann relevant, wenn eine schwere, nicht heilbare Erkrankung vorliegt und die Linderung von Beschwerden sowie Lebensqualität besonders im Mittelpunkt stehen.
Krebs sollte nicht automatisch mit Sterben gleichgesetzt werden.
Wenn eine palliative Versorgung zum Thema wird
Unser eigener Ratgeber erklärt, welche Aufgaben Hausarzt, mobiles Palliativteam, Hospiz und Betreuung zu Hause übernehmen können.
→ Palliativversorgung zu Hause verstehenWann rasch medizinische Hilfe notwendig ist
Bei einer schweren akuten Verschlechterung, ausgeprägter Atemnot, Bewusstlosigkeit oder anderen lebensbedrohlichen Symptomen:
Rettung: 144
Unterstützung darf sich mit dem Bedarf verändern
Bei einer Krebserkrankung kann sich der Alltag immer wieder verändern. Entscheidend ist, Unterstützung regelmäßig an den tatsächlichen Bedarf anzupassen und Angehörige nicht dauerhaft zu überlasten.
Häufige Fragen von Angehörigen
Benötigt Ihr Angehöriger bereits regelmäßig Unterstützung?
Auf unserer Betreuungsseite erklären wir, wie 24-Stunden-Betreuung bei einer Krebserkrankung in Wien den Alltag zu Hause unterstützen kann.
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